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14/04/2020 | gedanken, sprache | Keine Kommentare

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[Oder: Anglizismen sind einfach doof]

Zeit für einen „Frühjahrsputz“ (der anderen Art)

Sie haben Ihre „shapewear“ beim letzten „Sale“ zum absoluten „special price“ bekommen? Ihr „Outfit“ liegt immer im „Trend“? Sie haben den letzten „Shitstorm“ auf einen „celebrity“ gar nicht mitbekommen? Das „trash Fernsehen“ ist nicht mehr zu ertragen und das „voting“ für „Best Christmas City“ haben sie auch verpasst? Um sich vor der „Spider App“ zu schützen, haben Sie Ihrem „Smartphone“ ein „Hardcover“ verpasst? An „meetings“ nehmen Sie zur Zeit vom „Home Office“ aus teil?

Sie konnten das oben genannte Beispiel ohne Probleme verstehen? Herzlichen Glückwunsch. Sie sprechen perfekt Denglisch.

Diese Unart, englische Termini zu verwenden, gar zu „verdeutschen“, geht mir schon lange auf den Nerv.

Wenn ich z.B. „Landeselternbeirat schlägt Alarm wegen Homeschooling“ oder „Homeschooling: Überlastung und neue Chance“ in der deutschen Presse lese, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Ist „Hausunterricht“ etwa zu profan, zu „Deutsch“?

Auch „Homeoffice“ gehört seit längerem schon zu meinen absoluten „Favoriten“.

„Heimarbeitsplatz“ oder „Büro zuhause“ klingt wohl nicht „international“ genug? „Mache heute Home Office“ klingt vermutlich auch „besser“ – „moderner“ – als „Ich arbeite heute von zuhause aus“?!

Auch minimieren wir z. Zt. („Corona“) nicht unsere sozialen Kontakte und halten räumlich Abstand voneinander, seitdem das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, sprich‘ viele Gewerbetreibende ihren Betrieb qua Verordnung einstellen mussten, sondern praktizieren seit dem „Lockdown“ („Sperrung“) „social distancing“ („räumliche Distanzierung“).

Klingt doch ziemlich bescheuert alles. Geht aber noch weiter.

Der „Autorenclub Wetterau“ betreibt z.B. z.Zt. einen „Shutdown Blog„, ein Münchner Merkur titelt „Exit-Plan aus dem Corona-Shutdown“ (zu Deutsch: Ausstiegsplan aus der Corona Stilllegung).

Was. soll. das? Klingt nicht nur lächerlich, sondern wirkt – durch die Bank weg – auch so.

EIS TO GO ERLAUBEN, ZUM ERHALT DER EISDIELEN WÄHREND CORONA„, lautet z.B. eine Petition, die beim Hessischen Landtag eingereicht werden soll und über deren Titel ich via der sozialen Netzwerke „gestolpert“ bin. Mit „Straßenverkauf für Eisdielen während Corona erlauben“ war der Petent wohl in seiner Muttersprache „überfordert“?

Über diese „coffee-to-go“, „takeaways“ und „toppings“, „Hipster“, „Nerds“ und „Club-Mate“ – Mentalität kann ich echt nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln.

In dem Deutschland, „in dem wir gut und gerne leben“ (zumindest wenn es nach der CDU geht), hat man sowieso inzwischen das Gefühl, daß die eigene Muttersprache eher verpönt ist. Geht sogar soweit, daß man irgendwie das Gefühl hat, sich sogar für diese schämen zu müssen.

Wenn sich selbst ein deutscher Bundespräsident bei seiner Rede am 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers in Ausschwitz in der Gedenkstätte Yad Vaschem gegen seine Muttersprache entscheidet, sagt das doch schon einiges aus. Hat m.E. auch nix mit „Respekt“ zu tun.

Lt. Spiegel „entschied [er] sich komplett gegen die deutsche Sprache. Er begrüßte die Anwesenden auf Hebräisch und sprach dann englisch weiter. Er habe den verbliebenen Opfern ersparen wollen, die Sprache der Täter hören zu müssen, hieß es zur Begründung„.

Kann man so sehen, muß man aber nicht so sehen und sollte man eigentlich auch anders sehen.

Selbstverständlich hat sich auch die deutsche Umgangssprache aus vielen anderen Sprachen weiterentwickelt. Dies hat sie mit vielen anderen Umgangssprachen gemein.

Aus diesem Grund hat sich „Deutsch“ zu einer wundervollen Sprache mit einem Wortschatz von ca. 300 – 500.000 Worten (darüber ist man sich aufgrund verschiedener Zählweisen nicht so ganz einig) entwickelt und bietet damit zahlreiche Möglichkeiten, sich auszudrücken.

Kaum zu glauben, daß wir von diesem reichhaltigen Wortschatz, lediglich einen Bruchteil davon alltäglich nutzen [Lt. einiger schlauen Leute gebrauchen wir im Alltag davon angeblich nur 12.000 – 15.000 Worte.]

Nahezu unverändert, die sog. Fachsprachen, wie sie z.B. Juristen-, Theologen-, Psychologen-, Pädagogen-, Soldaten-, Techniker-, Piloten, Mediziner, tagtäglich anwenden. Ein präziser Fachwortschatz erleichtert nicht nur die Kommunikation innerhalb dieser Berufsgruppen, sondern ist für die tägliche Arbeit unerlässlich.

Das, was wir in unserer Umgangssprache als „Fremdwörter“ („adäquat“, „dekadent“, „denunzieren“, „echauffieren“, „implizieren“, „infantil“, etc. pp.) bezeichnen, hat seinen Ursprung in verschiedenen Sprachen, wie z.B. Latein, Griechisch, Französisch oder Italienisch. Vice Versa findet man viele deutsche Worte in anderen Sprachen, wie z.B. Polnisch, Russisch, Bosnisch, Serbisch, Kroatisch.

Nein, für unsere (deutsche) Sprache sollte man sich wirklich nicht schämen.

Schämen sollte man sich eher für dieses „Denglisch“. Das klingt nicht nur peinlich, sondern ziemlich bescheuert. Kauderwelsch halt.

Das andere Extrem ist dann dieser Jugendjargon (zu engl.: „Slang“), der sich aus Deutsch-Türkisch-Arabisch zusammensetzt. „Chabos wissen, wer der Babo ist!“ klatschte ein Kommunalpolitiker 2014 auf sein Wahlplakat, um damit die Jugend anzusprechen. Dass er sich damit eher – aus diversen Gründen – blamierte, ist diesem Artikel zu entnehmen.

Und wenn irgendwelche Sprachforscher z.B. bei „Ey, Alder. Is‘ ja hamma. Isch geh nachher Aldi“ einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung sehen, weiß ich nicht, an „wem“ ich mehr zweifele. Mein Verständnis kommt hier an seine Grenzen.

[Gerade bei der Jugend, bzw. dieser Generation „Schneeflocke“ oder „Z“. Wie auch immer Sie diese nennen möchten. Rechtschreibung und Grammatik scheint sich bei dieser Generation mehrheitlich sowieso inzwischen nur noch – „twittermäßig“ – auf 140 Buchstaben, sog. „Emoticons“ und dem Netzjargon à là „OMG“, „YOLO“, „LOL“ zu reduzieren?!]

Ich habe selten eine Bevölkerung erlebt, die ihre eigene Muttersprache so hartnäckig „kleinkriegen“ will, wie die Deutschen. Schämen sie sich so sehr für ihre Sprache, daß sie dieses „Kauderwelsch“ – so selbstverständlich – praktizieren?

Hand in Hand mit diesem ganzen Kauderwelsch geht auch diese Unart des „Duzens“, in Mitteilungen, Werbung, ja selbst in Stellenanzeigen. Wird hier das englische „You“ fälschlicherweise generell als „Du“ übersetzt oder soll hier einer auf (linkspolitisch) „modern“ gemacht werden?

Mag vielleicht an meiner Erziehung liegen, aber die Freiheit, „wer“ mich „duzt“, will ich mir nicht nehmen lassen. Dies gilt sowohl im privaten als auch (erst recht) im geschäftlichen Bereich. Das „Du“, z.B. im geschäftlichem Bereich durch einen Dritten „zwangsverordnet“ zu bekommen, obwohl – gerade bei Bewerbungsgesprächen – formal nach wie vor das „Sie“ Gang und Gäbe ist? (Anfreunden könnte ich mich ja vielleicht noch mit dem „Hamburger Sie„). Mag man meine Ansicht „altmodisch“ nennen. Dann ist dem halt so.

Dieses Sprachgeschwurbel inklusive seiner Nebeneffekte ist m.E. weder „europäisch“ noch „international“, sondern so stil- und niveaulos wie die Tennissocke in Sandalen.

Mit diesem „Denglisch“ ist man m.E. zumindest auf dem Holzweg, macht sich lächerlich und darf sich daher auch nicht wundern, wenn einem das Gegenüber nicht (mehr) ernst nimmt.


Bild: mohamed_hassan / Pixabay

By HI

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HI

Zugereister Austrianer, der seine ganz persönlichen Ansichten zu seinen (realen sowie virtuellen) Alltagserlebnissen in und um seine Wahlheimat Büdingen (Hessen) wiedergibt. "Granteln" seinerseits inklusive ;-)

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