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23/04/2020 | büdingen, kernstadt | Keine Kommentare

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Am frühen Montag Abend werden in der Thiergartenstraße zwei junge Männer durch das Messer eines Dritten schwer verletzt. In einer groß angelegten Suche fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter, der sich auf der Flucht befindet. Hubschrauber kreisen erst über dem Büdinger Innenstadtbereich, dann über den Ortschaften, per Radio erfolgt der Hinweis, in Büdingen keine Anhalter mitzunehmen.

Gegen halb Neun erfolgt die Festnahme des mutmaßlichen Täters im Industriegebiet, fußläufig ca. 15 min. vom Tatort entfernt.1)Kreis-Anzeiger v. 21.04.2020, „Viele Fragen nach Messerangriff in Büdingen“ [Artikel hinter Bezahlschranke]

Die Opfer befinden sich, lt. gemeinsamer Presseerklärung2)Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Gießen und des Polizeipräsidiums Mittelhessen v. 21.04.2020, außer Lebensgefahr (Deo gratias) und werden stationär behandelt, der mutmaßliche Täter konnte plausibel „Notwehr“ glaubhaft machen, was zu einer Rücknahme des zuvor erlassenen Haftbefehls führte.

So weit, so ominös.

Ist eh am Besten, erst einmal die weiteren Ermittlungsergebnisse abzuwarten. Die dargestellte Sachlage erscheint allerdings etwas ominös und wirft – für mich – doch so einige Fragen auf.

„Notwehr“ fällt mir schwer zu glauben. Warum, z.B. sollte jemand, der in Notwehr – sich also gegenüber Angreifern verteidigt hat – gehandelt hat, abhauen?

Die Videos, die lt. KAZ, keinerlei „Bezug zu Tatgeschehen und Tatort haben und offenbar aus persönlicher Geltungssucht in diesen Zusammenhang gestellt wurden“?!3)Kreis-Anzeiger v. 21.04.2020, „Viele Fragen nach Messerangriff in Büdingen“ [Artikel hinter Bezahlschranke] halte ich ebenfalls für „falsch“. Blödsinn, sowas zu veröffentlichen, verschicken, etc. Dazu fällt einem echt nix mehr ein. „Geltungssucht“ trifft es wohl auf den Punkt.

Interessant auch, in welcher Geschwindigkeit diese Meldung sowohl via Presse als auch sozialer Netzwerke, wie z.B. „twitter“, mal wieder die Runde macht. „Dominoeffekt“ nennt man sowas wohl?! Über die Art und Weise, wie diese Meldung mal wieder von so einigen kommentiert wird , schweige ich mich jetzt mal aus, weil: Mutmaßlicher Täter war ein 21-jähriger afghanischer Asylbewerber, Presse und Ermittlungsbehörden sprechen – wie üblich – von „Mann“ und „Messer“ (actio), Kommentatoren …. (reactio) lasse ich lieber mal an dieser Stelle.

Weder über das eine (actio) noch über das andere (reactio) sollte man sich inzwischen noch wundern. Das übliche Szenario halt. 2015 hat auch hier viel(es) verändert. Und dies nicht nur, weil seitdem Büdingen Standort einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung ist.

Randbemerkung: In einer der größten Büdinger Facebook-Gruppen (stark „linkspolitisch“ geprägt) herrscht Stillschweigen. Diesbezügliche Veröffentlichungen wurden – wie dort üblich und gängige Praxis – gelöscht. In – vergleichsweise – kleineren Gruppen wird dagegen sachlich kommentiert, sowie diskutiert. Funktioniert also auch ohne Löschungen.

Was diesen (erneuten Vor-) Fall betrifft, so kann man nur hoffen, daß die Opfer bald genesen, sowie evtl. Traumata bewältigen und die (derzeit noch laufenden) Ermittlungen nicht ins Leere laufen, sondern aufgeklärt werden.

Transparenz von seiten ermittelnder Behörden, sachliche Berichterstattung und Rechtsprechung könnten dazu beitragen, unqualifizierte Kommentierungen (z.B. bezüglich „Asylbewerbern“), sowie politische Instrumentalisierung zu vermeiden.

Dann könnte man sich vielleicht auch zukünftig diese „Codes“ à là „Mann“, „Messer“ ersparen, bei denen inzwischen schon beim Lesen das „Kopfkino“ läuft.


Symbolbild: Niek Verlaan / Pixabay

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By HI

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HI

Zugereister Austrianer, der seine ganz persönlichen Ansichten zu seinen (realen sowie virtuellen) Alltagserlebnissen in und um seine Wahlheimat Büdingen (Hessen) wiedergibt. "Granteln" seinerseits inklusive ;-)